Fachliches

Das Schnapsbrennen wurde vor 1000 Jahren erfunden
und ist eine Wissenschaft für sich

Die Destillation von Wein zur Herstellung hochprozentiger Branntweine wurde vermutlich um etwa 1000 nach Christi im Gebiet der heutigen Türkei zuerst in größerem Umfang betrieben. Die Alchemisten des Mittelalters verbesserten die Kühlleistung der verwendeten Apparate, und damit die Ausbeute, indem sie sehr lange Kühlrohre verwendeten. Die damit erzielten Alkoholprodukte wurden aqua ardens, ” brennendes Wasser “, genannt. Sie enthielten aber noch immer hohe Anteile an Wasser.

Bald gelang es jedoch, durch mehrmaliges Destillieren Alkohol in höheren Konzentrationen herzustellen. Der erste Beleg hierzu findet sich in der Schrift ” De virtutibus aquae vitae ” (übersetzt heißt dies: Von den Tugenden des Lebenswassers), des Florentiner Arztes und Gelehrten Taddeo Alderotti. Sehr genau schildert er die hierzu notwendige Methode: “Destilliere, bis du die halbe Menge des eingefüllten Weines aufgefangen hast. Was im Kolben verblieben ist, nimm weg. Das Destillat aber destilliere nochmals und fange davon 7/10 auf, den Rest entferne wiederum aus dem Kolben, das Destillierte destilliere abermals und fange davon 5/7 auf. Das erste Drittel das Destillates ist das beste und brennt, das zweite Drittel taugt weniger, das dritte noch weniger und der Rückstand im Kolben gar nichts”.

Nach sieben derartigen Destillationen hieß das Produnkt Wasser perfecta und nach zehn Destillationen perfectissima.Da diese mühselige Prozedur sehr kostspielig war, begnügte man sich in der Regel mit der viermaligen Destillation. In der darauffolgenden Zeit wurden von mehreren Praktikern der Alchemie auf dieselbe Art und Weise das aqua ignea rectificata (gereinigtes Feuerwasser), und letztlich das aqua vitae rectifticata (gereinigtes Lebenswasser), das allein für medizinische Zwecke brauchbar ist, hergestellt.

Da Alkohol im Ruf stand, gegen die Pest zu helfen, bemühte sich nach dem großen Pestausbruch zwischen 1347 und 1350 jeder nach besten Kräften, das Wunderwasser auf eigene Faust herzustellen. Bald oft aber nicht nur aus medizinischen Gründen, sondern auch zum reinen Vergnügen. So sahen sich im ausgehenden Mittelalter viele Länder und Reichsstädte gezwungen, Gesetze gegen die Trunksucht zu erlassen.

Etwa seit dem 15. Jahrhundert begann in den meisten europäischen Ländern eine gewerbsmäßige Herstellung von destillierten Getränken. Jede Region entwickelte in der Folgezeit den für sie typischen Schnaps.

Schnaps wird folgendermaßen hergestellt:
Da Alkohol bereits bei 78,3 Grad Celsius siedet, Wasser aber erst bei 100 Grad, führt man die Destillation bei geringeren Temperaturen durch. Typische flüchtige Aromastoffe sollen mit in das Destillat überführt werden, während qualitätsmindernde Nebenbestandteile der alkoholischen Gärung oder unerwünschte Stoffwechselprodukte schädlicher Mikroorganismen möglichst in dem Destillatrückstand bleiben sollen. Das genau hinzubekommen, braucht viel Wissen und Erfahrung. Man sieht: Schnapsbrennen ist auch heute eine Wissenschaft für sich. Das Wissen darüber wird bei unseren heimischen Schnapsbrennern von Generation zu Genertion weitergegeben.

Artikel vom 03. März 2010 – Obb. Volksblatt

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